Ratgeber: Pflegegrad

Die Frage nach der Beantragung des Pflegegrades wird immer wieder gestellt. Das Procedere ist zwar recht einfach, aber einige Dinge müssen doch beachtet werden. Im Folgenden daher ein paar generelle Informationen sowie Tipps zur Beantragung.


Als Erstes ist ein formloser Antrag bei der Pflegekasse (bei der eigenen Krankenkasse) zu stellen. Dieser sollte schriftlich eingereicht werden, da bei telefonischer Beantragung ein Formular zugeschickt wird, in dem wesentlich mehr abgefragt wird, als nötig ist. Ein solches Muster ist hier zu finden. Der Antrag muss vom Pflegebedürftigen persönlich unterschrieben werden.


Nachdem Antrages bei der Kasse eingegangen ist, vergeht etwas an Zeit, bis ein Termin zur Begutachtung schriftlich mitgeteilt wird. Dieser wird durch eine/n Mitarbeiter/in des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) durchgeführt. Die Begutachtung ist ein Gespräch und es gibt keinen Grund eingeschüchtert zu sein. Wichtig ist, dass man ehrlich ist, was die eigenen Schwächen angeht. Wenn man versucht sich selbst Dinge schön zu reden oder nur vom „besten Tag“ berichtet, dann kann das zu einer fehlerhaften Beurteilung führen, was dann mit geringeren Leistungen der verbunden ist.

Hilfreich ist es daher, ein Pflegetagebuch zu führen, in dem notiert wird, was alles nur durchgeführt wurde, weil man von einem Angehörigen oder Betreuer dazu aufgefordert, bzw. daran erinnert wurde. Auch alle Probleme die aufgrund der dissoziativen Störung aufgetreten sind kann man darin erfassen.

Dann kann so vollständig wie möglich von der eigenen Situation berichtet werden – eine Beschönigung der Umstände bzw. unvollständige Angaben hilft niemanden!

Generell sollte man konkrete Beispiele für Pflegesituationen parat haben, die dem Gutachter die Verfassung anschaulich machen können.

Und ganz wichtig: Es muss eine kompetente Person anwesend sein, die von der Situation des Pflegebedürftigen weiß. Wenn man also z.B. bereit durch einen Dienst ambulant betreutes Wohnen als Unterstützung erhält, wäre der Betreuer absolut zu empfehlen. Auch ein Angehöriger, der in der Lage ist die Alltagssituationen und Einschränkungen glaubhaft und klar darzulegen, ist als weitere Begleitung zu empfehlen.

Weitere Tipps gerade für Betroffene von Dissoziativen Störungen:

  • Nicht versuchen besonders reflektiert zu sein und sich mit Skills im hier und jetzt zu halten.
  • Wenn man Probleme damit hat, mit jemand Fremden zu reden, dann sollte man nicht krampfhaft versuchen mit dem Gutachter mehr zu reden, als einem selbst gut tut – dafür sind die Betreuer, Angehörigen und Begleiter da.
  • Nicht die Wohnung aufräumen, nur weil der Gutachter kommt. Die Wohnung sollte in dem Zustand sein, wie sie normalerweise ist.
  • Das Gleiche gilt auch für einen selbst. Wenn man also ein Problem mit der Körperpflege hat, macht es keinen Sinn vor dem Termin noch eben schnell in die Dusche zu springen, damit „man sich nicht blamiert“.
  • Gerade Informationen wie: Wird sich von alleine – ohne Aufforderung und jeden Tag – gewaschen, die Zähne geputzt, gesund und in vernünftigen Maßen gegessen, genug und gesundes zu Trinken gemacht, die Kleidung täglich gewechselt, regelmäßig geduscht bzw. gebadet, die Medikamente gerichtet und diese auch zuverlässig eingenommen, darum gekümmert die Wäsche zu waschen, usw. sind wichtig.
  • Wie sicher ist der/die Betroffene im Alltag und kann Wege ohne Begleitung und ohne Gefährdung durch Dissoziation oder Panikattacken zurücklegen. Werden Einkäufe alleine durchgeführt oder ist das selbst mit Begleitung nicht machbar? Wie werden Amtsgänge erledigt oder Arztbesuche durchgeführt?
  • Wie viel wird im Alltag vergessen und bleibt liegen, weil man es durch die Dissoziationen nicht mitbekommt? Wie oft muss der Partner den Betroffenen aus den Dissoziationen holen? Wie oft ist der Betroffene orientierungslos und muss irgendwo abgeholt werden, bzw. kommt wesentlich verspätet nach Hause, weil er dissoziiert ist?
  • Gibt es Selbstverletzungen und wer versorgt dann die Wunden? Welche Unfälle treten im Alltag auf, die auf die Dissoziationen zurück zu führen sind?
  • Werden wichtige Termine ohne Hilfen wahrgenommen oder geraten sie in Vergessenheit?

Diese Zuteilung des Pflegegrades wird nach spätestens 5 Wochen schriftlich mitgeteilt. Ab dann stehen einem gewisse finanzielle Gelder zu, die man in Absprache von der Pflegekasse erhält.

Es gibt dann bis zu vier verschiedene „Töpfe“ aus denen man Gelder erhalten kann. Dabei sind drei Töpfe für Personen gedacht, die Zuhause gepflegt werden und ein Topf für stationär betreute Personen,

Wenn man nicht in einer stationären Einrichtung untergebracht ist, hat man in allen Pflegegraden Anspruch auf den sogenannten ‚zweckgebundenen Entlastungsbetrag ambulant‘ in Höhe von 125 €. Dieser Betrag dient dazu Dienstleister für Alltagsbegleitung in Anspruch zu nehmen. Also Hilfestellungen bei Dingen, die die pflegebedürftige Person noch selbst erledigen kann und alle Tätigkeiten, die Entlastung verschaffen. Damit ist größtenteils Haushaltshilfe, Alltagsbegleitung und Pflegebegleitung gemeint. Man kann dies entweder selbst mit der Pflegekasse abrechnen oder aber – was wesentlich einfacher ist – dem Dienstleister eine Abtretung unterschreiben, so dass er selber mit der Pflegekasse abrechnen kann. Diese Dienstleister sind oft unter dem Begriff „Seniorenhilfe“ im Internet zu finden, aber es gibt auch „ambulante Pflegedienste“, die solche Hilfen mit anbieten.

Ab Pflegegrad 2 hat man als ambulant Betreuter auf Geldleistungen und Sachleistungen einen Anspruch. Die Höhe der beiden Leistungen steigt an, je höher der zugeteilte Pflegegrad ist.

Wenn sich eine Privatpersonen um die Betreuung kümmert, erhält der Betroffene eine monatliche ambulante Geldleistung. Der Betrag wird auf das Konto des Betroffenen ausgezahlt und der Betroffene kann ohne Nachweise völlig frei über das Geld verfügen. Wichtig ist, dieser oft als ‚Pflegegeld‘ bezeichnete Betrag, wird nicht als Einkommen angerechnet – weder bei der Rente, noch der Grundsicherung oder bei Hartz IV.

Werden man ambulant von einem Pflegedienst oder anderen professionellen Dienstleistern gepflegt wird, erhält man ambulante Sachleistungen bzw. Pflegesachleistungen. Auch das Leben in Pflege-WGs fällt unter diese Kategorie. Im Normalfall werden die Sachleistungen vom jeweiligen Dienstanbieter direkt mit der Kasse abgerechnet.

Es gibt im Übrigen auch die Möglichkeit Ambulante Geldleistung + ambulante Sachleistung zu kombinieren. D.h. man kann sich teilweise von einem professionellen Dienstleister pflegen lassen und einen Teil der Pflege durch einen Angehörigen vornehmen lassen. Dann erhält man selber nur einen Anteil der Geldleistungen ausgezahlt.


Tiefer gehende, sehr verständlich dargelegte Details können auf der Webseite der Jedermann Gruppe sowohl bezüglich der Beantragung als auch den einzelnen Pflegegraden nachgelesen werden. Dort sind auch Informationen zu der Höhe der Geld- und Sachleistungen zu finden.